
Ratgeber: L
Lagerung in der Logistik
Inhaltsverzeichnis
- Die Welt der Lagerung: Strategien, Strukturen und Trends in der Logistik
- Definition und Kernfunktionen: Warum wir lagern
- Lagerlogistik: Das Herz der Intralogistik
- Kontraktlogistik: Outsourcing als Erfolgsfaktor
- Die Logistikimmobilie: Mehr als nur vier Wände
- Kennzahlen (KPIs): So messen Sie den Lagererfolg
- Fragen & Antworten: Das Experten-Glossar (FAQ)
- Die Zukunft: KI und Robotik in der Halle
- Fazit für die Praxis
Die Welt der Lagerung: Strategien, Strukturen und Trends in der Logistik
Definition und Kernfunktionen: Warum wir lagern
Unter Lagerung versteht man in der Logistik die bewusste Unterbrechung des Materialflusses. Es entstehen Puffer, die zeitliche, quantitative und qualitative Differenzen zwischen Angebot und Nachfrage ausgleichen. Während früher das „Horten“ von Beständen im Vordergrund stand, liegt der Fokus heute auf der Reaktionsgeschwindigkeit.
Die moderne Lagerung erfüllt primär vier Funktionen:
- Ausgleichsfunktion: Pufferung von saisonalen Schwankungen (z. B. Weihnachtsgeschäft).
- Sicherungsfunktion: Schutz vor Lieferengpässen oder Streiks.
- Spekulationsfunktion: Ausnutzen von Preisvorteilen bei Rohstoffen.
- Veredelungsfunktion: Reifungsprozesse (z. B. Wein, Käse, Holz).

Lagerlogistik: Das Herz der Intralogistik
Die Lagerlogistik umfasst die Planung, Steuerung und Überwachung aller Prozesse innerhalb eines Lagers. Sie beginnt bei der Warenannahme (Inbound), geht über die Einlagerung und Kommissionierung bis hin zum Warenausgang (Outbound).
Ein effizientes Lager basiert auf der Wahl der richtigen Lagerstrategie:
- FIFO (First-In-First-Out): Das älteste Produkt verlässt zuerst das Lager (essentiell bei Verfallsdaten).
- LIFO (Last-In-First-Out): Die zuletzt eingelagerte Ware wird zuerst entnommen (häufig bei Schüttgut oder Baustoffen).
- FEFO (First-Expired-First-Out): Fokus auf das Ablaufdatum.
Zahlen, Daten, Fakten: Experten schätzen, dass die Lagerkosten etwa 15 % bis 25 % des Inventarwerts pro Jahr ausmachen. Davon entfallen ca. 40 % auf die Kapitalbindung, 30 % auf Raumkosten und 30 % auf Handling und Verwaltung.
Kontraktlogistik: Outsourcing als Erfolgsfaktor
Die Kontraktlogistik ist eine Form der langfristigen Zusammenarbeit zwischen einem Hersteller/Händler und einem Logistikdienstleister (3PL – Third Party Logistics). Hierbei übernimmt der Dienstleister nicht nur die reine Lagerung, sondern auch Value Added Services (VAS).
Typische Zusatzleistungen sind:
- Konfektionierung und Umverpackung.
- Qualitätskontrolle und Retourenmanagement.
- Montagetätigkeiten (Pre-Assembly).
Der Vorteil für Unternehmen liegt in der Umwandlung von Fixkosten (eigene Halle, Personal) in variable Kosten (Bezahlung pro Palette/Pick). Dies erhöht die Skalierbarkeit massiv.
Die Logistikimmobilie: Mehr als nur vier Wände
Eine moderne Logistikimmobilie muss heute hohen technischen und ökologischen Anforderungen genügen. Man unterscheidet hierbei verschiedene Hallentypen:
- Umschlagslager (Cross-Docking): Kurze Verweildauer, viele Tore, Fokus auf Schnelligkeit.
- Hochregallager (HRL): Maximale Raumausnutzung durch Höhen bis zu 45 Metern.
- Kühllager (Cold Storage): Spezialimmobilien für Lebensmittel oder Pharmazeutika.
Wichtige technische Parameter einer Halle sind die Bodenbelastbarkeit (oft 5–7 Tonnen pro m²), die Hallenunterkante (UKB) für die Stapelhöhe und die Anzahl der Überladebrücken. Im Zuge von ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) rücken Photovoltaik-Anlagen und energieeffiziente Dämmung immer stärker in den Fokus des Werterhalts.
Kennzahlen (KPIs): So messen Sie den Lagererfolg
Um die Effizienz einer Lagerung zu bewerten, sind Daten unerlässlich. Die drei wichtigsten KPIs sind:
| Kennzahl | Formel / Bedeutung | Zielsetzung |
| Lagerumschlagshäufigkeit | Wareneinsatz / ø Lagerbestand | Je höher, desto weniger Kapital ist gebunden. |
| Durchlaufzeit | Zeit von Wareneingang bis Warenausgang | Minimierung zur Beschleunigung der Supply Chain. |
| Pick-Genauigkeit | (Korrekte Picks / Gesamtpicks) * 100 | Senkung der Fehlerquote und Retourenkosten. |
Fragen & Antworten: Das Experten-Glossar (FAQ)
Frage: Was ist der Unterschied zwischen einem Lager und einem Depot?
Antwort: Ein Lager dient der langfristigen oder mittelfristigen Bevorratung und Pufferung. Ein Depot (oft im Transportwesen genutzt) ist eher ein kurzfristiger Sammelpunkt für die Verteilung (Distribution).
Frage: Ab wann lohnt sich ein automatisiertes Lagersystem (AS/RS)?
Antwort: Automatisierung lohnt sich meist bei einer hohen Artikelanzahl (SKUs), hoher Umschlagshäufigkeit und bei Fachkräftemangel. Die Amortisationszeit (ROI) liegt in der Regel zwischen 3 und 7 Jahren.
Frage: Was bedeutet „Chaotische Lagerhaltung“?
Antwort: Hierbei hat kein Artikel einen festen Platz. Das Warehouse Management System (WMS) weist der Ware den nächsten freien Platz zu. Dies optimiert die Flächennutzung um bis zu 25 %.

Die Zukunft: KI und Robotik in der Halle
Die Lagerung der Zukunft ist autonom. KI-gestützte Algorithmen berechnen Bestandsoptimierungen im Voraus (Predictive Analytics), während Autonome Mobile Roboter (AMR) die Kommissionierer unterstützen. Die Logistikimmobilie entwickelt sich zum „Smart Building“, das durch Sensorik den Energieverbrauch minimiert und Wartungsintervalle (Predictive Maintenance) für Fördertechnik selbstständig plant.
Fazit für die Praxis
Effiziente Lagerung ist kein statischer Zustand, sondern ein dynamischer Prozess. Ob Eigenlager oder Kontraktlogistik – die Entscheidung hängt von der Kernkompetenz des Unternehmens und der Volatilität der Märkte ab. Wer seine Kennzahlen kennt und in die Flexibilität seiner Logistikimmobilie investiert, sichert sich langfristig Wettbewerbsvorteile.



