
Ratgeber: K
Konfektionierung in der Lagerlogistik
Inhaltsverzeichnis
Was versteht man unter Konfektionierung?
Unter Konfektionierung versteht man im Allgemeinen das Zusammenstellen, Verpacken und Etikettieren von Waren zu einer neuen, marktfähigen Produkteinheit. Dieser Prozess geht weit über das simple Verpacken hinaus und umfasst eine Vielzahl von Tätigkeiten, die darauf abzielen, ein Produkt für den Endkunden oder den nächsten Schritt in der Lieferkette vorzubereiten. Die Wortherkunft aus dem Französischen ("confection") bedeutet "Anfertigung" oder "Zusammenstellung" und beschreibt den Kern des Prozesses sehr treffend.
Im Kern werden also aus mehreren Einzelteilen oder auch nur einem Einzelteil neue Sortimente oder Sets gebildet. Dies kann von der einfachen Bündelung zweier Produkte bis hin zur komplexen Montage von Bauteilen reichen. Das Ziel ist immer, ein Produkt zu schaffen, das den spezifischen Anforderungen des Marktes, des Handels oder des Endverbrauchers entspricht.

Die Rolle der Konfektionierung in der Lagerlogistik
In der Lagerlogistik ist die Konfektionierung ein zentraler Value Added Service (Mehrwertdienstleistung). Sie findet typischerweise in spezialisierten Bereichen eines Lagers oder Distributionszentrums statt, oft nachdem die Waren kommissioniert wurden. Hier wird die Ware nicht nur gelagert und umgeschlagen, sondern aktiv veredelt.
Typische Konfektionierungsaufgaben im Lager sind:
- Set-Bildung: Zusammenstellung von verschiedenen Artikeln zu einem neuen Set (z.B. Geschenksets, Starter-Kits).
- Displaybau: Aufbau von Verkaufsdisplays für den Point of Sale (POS), beispielsweise für Sonderaktionen im Einzelhandel.
- Umverpackung: Verpacken von Produkten in andere Gebindegrößen oder verkaufsfördernde Verpackungen.
- Etikettierung und Preisauszeichnung: Anbringen von Etiketten, Barcodes, Preisen oder Werbeaufklebern.
- Beipacken von Werbematerialien: Hinzufügen von Flyern, Gebrauchsanweisungen oder Produktproben.
Diese Tätigkeiten erfordern eine hohe Flexibilität der Lagerprozesse und des Personals, da die Anforderungen oft kurzfristig und saisonal schwankend sind (z.B. Weihnachtsgeschäft). Moderne Lagerverwaltungssysteme (LVS) spielen hierbei eine entscheidende Rolle, indem sie die komplexen Prozesse steuern und für eine fehlerfreie Abwicklung sorgen.
Fragen und Antworten zur Konfektionierung
Frage: Ist Konfektionierung das Gleiche wie Kommissionierung?
Antwort: Nein. Bei der Kommissionierung werden Artikel aus dem Lagerbestand für einen bestimmten Auftrag zusammengestellt. Die Konfektionierung ist ein nachgelagerter Prozess, bei dem diese oder andere Artikel zu einer neuen Produkteinheit verarbeitet, verpackt und veredelt werden.
Frage: Warum wird Konfektionierung ausgelagert?
Antwort: Unternehmen lagern Konfektionierungsaufgaben häufig an Logistikdienstleister aus, um sich auf ihre Kernkompetenzen zu konzentrieren. Dienstleister verfügen über das nötige Know-how, spezialisiertes Personal, die technische Ausstattung und flexible Flächen, um diese Aufgaben effizienter und oft kostengünstiger zu erledigen.
Frage: Welche Branchen nutzen Konfektionierung am häufigsten?
Antwort: Besonders häufig findet man Konfektionierung in der Konsumgüterindustrie (FMCG), im E-Commerce, in der Pharmaindustrie, bei Kosmetikherstellern und in der Werbeartikelbranche. Überall dort, wo Produkte für den Verkauf individualisiert oder in Sets angeboten werden, ist Konfektionierung relevant.
Bedeutung für die Kontraktlogistik
Innerhalb der Kontraktlogistik, die auf langfristigen Verträgen zwischen Unternehmen und Logistikdienstleistern basiert, ist die Konfektionierung ein wesentlicher Baustein. Sie ist oft ein zentraler Bestandteil des Dienstleistungsvertrags und ein klares Differenzierungsmerkmal für Anbieter.
Für den Auftraggeber bedeutet die Integration der Konfektionierung in den Kontrakt eine erhebliche Vereinfachung der Lieferkette. Anstatt Waren zwischen Produktionsstätte, Konfektionierer und Lager hin- und herzubewegen, finden alle Prozesse unter einem Dach statt. Dies führt zu:
- Reduzierten Durchlaufzeiten: Kürzere Wege und integrierte Prozesse beschleunigen die Zeit bis zur Markteinführung.
- Geringeren Logistikkosten: Einsparungen bei Transport- und Handlingkosten.
- Erhöhter Flexibilität: Schnelle Reaktion auf Marktveränderungen oder kurzfristige Marketingaktionen.
- Einem zentralen Ansprechpartner: Der Kontraktlogistiker übernimmt die gesamte Verantwortung für Lagerung, Handling und Veredelung.
Ein Logistikdienstleister, der qualitativ hochwertige Konfektionierung anbietet, wird so vom reinen Lagerhalter zum strategischen Partner, der tief in die Wertschöpfungskette des Kunden integriert ist.
Anforderungen an Logistikimmobilien und Hallen
Nicht jede Logistikimmobilie ist für anspruchsvolle Konfektionierungsarbeiten geeignet. Die Anforderungen an die Halle gehen über eine reine Lagerfläche hinaus.
Wichtige Kriterien sind:
- Flexible Flächen: Es werden separate, oft abgetrennte Bereiche benötigt, die je nach Auftragslage skaliert werden können. Diese Zonen müssen gut beleuchtet und klimatisiert sein, um optimale Arbeitsbedingungen zu gewährleisten.
- Technische Ausstattung: Stromanschlüsse für Verpackungsmaschinen, Druckluftleitungen und eine stabile IT-Infrastruktur (WLAN) für Scanner und Datenerfassung sind unerlässlich.
- Sozialräume: Da Konfektionierung oft personalintensiv ist, sind ausreichend große und qualitativ gute Sozial- und Pausenräume ein Muss.
- Sauberkeit und Sicherheit: Je nach Branche (z.B. Pharma, Lebensmittel) sind hohe Hygienestandards (HACCP) oder besondere Sicherheitsvorkehrungen (z.B. für die Verarbeitung von Gefahrstoffen) erforderlich.
Moderne Logistikimmobilien werden oft bereits mit sogenannten Mezzaninen (Zwischengeschossen) geplant, die sich ideal für solche manuellen oder teilautomatisierten Mehrwertdienstleistungen eignen.

Fazit: Mehr als nur Verpacken
Die Konfektionierung ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich die Logistik von einer reinen Transport- und Lagerfunktion zu einem integralen und wertschöpfenden Bestandteil der Supply Chain entwickelt hat. Sie ermöglicht Unternehmen, ihre Produkte zu individualisieren, Verkaufsaktionen schlagkräftig umzusetzen und sich flexibel an die Wünsche der Kunden anzupassen. Für Lager- und Kontraktlogistiker ist sie eine unverzichtbare Dienstleistung, um sich im Wettbewerb zu behaupten und eine tiefe, partnerschaftliche Kundenbindung aufzubauen. Die richtige Logistikimmobilie schafft dabei die notwendigen Rahmenbedingungen für eine effiziente und qualitativ hochwertige Umsetzung.



