
Ratgeber: K
Kit-Bildung in der Lagerlogistik
Inhaltsverzeichnis
- Was ist Kit-Bildung (Kitting)? Eine Definition
- Ziele und Kernvorteile in der Lagerlogistik
- Der Kitting-Prozess in der Praxis: Schritt für Schritt
- Anforderungen an die Logistikimmobilie und die Halle
- Kit-Bildung als Value-Added-Service in der Kontraktlogistik
- Häufige Fragen und Antworten (FAQ) zur Kit-Bildung
Was ist Kit-Bildung (Kitting)? Eine Definition
Unter Kit-Bildung versteht man das Zusammenstellen von zwei oder mehr einzelnen, aber zusammengehörigen Artikeln zu einer neuen, einzigen Einheit – dem sogenannten Kit. Dieses Kit erhält eine eigene Artikelnummer (SKU - Stock Keeping Unit) und wird als eine einzige Position im Lagerverwaltungssystem (LVS) geführt. Ein alltägliches Beispiel ist eine Kochbox, bei der alle Zutaten für ein Gericht vorportioniert zusammengepackt werden. In der Industrie könnte es ein Montagesatz für ein bestimmtes Bauteil sein, der alle benötigten Schrauben, Dichtungen und Kleinteile enthält. Das Ziel ist, nachgelagerte Prozesse – sei es in der Produktion, im E-Commerce-Fulfillment oder bei der Service-Technik – massiv zu vereinfachen und zu beschleunigen, da nicht mehr viele Einzelteile, sondern nur noch ein einziges Kit gehandhabt werden muss.

Ziele und Kernvorteile in der Lagerlogistik
Die Implementierung von Kitting-Prozessen verfolgt klare wirtschaftliche Ziele. Die Vorteile sind messbar und schlagen sich direkt in den Kennzahlen nieder.
- Prozessbeschleunigung: In der Fertigung oder Montage entfällt die zeitaufwändige Suche nach Einzelteilen. Studien zeigen, dass die Materialbereitstellungszeit an Montagelinien durch Kitting um bis zu 50 % reduziert werden kann. Der Werker erhält ein perfekt vorbereitetes Set und kann sich auf seine Kernaufgabe konzentrieren.
- Fehlerreduktion: Die Kommissionierung vieler Einzelteile ist fehleranfällig. Durch die Zentralisierung dieses Prozesses in einem dedizierten Kitting-Bereich, oft unterstützt durch Pick-by-Light- oder Pick-by-Voice-Systeme, sinkt die Fehlerquote signifikant. Einmal korrekt zusammengestellt, ist das Kit eine Garantie für Vollständigkeit.
- Bestandsoptimierung: Kitting sorgt für eine höhere Transparenz und Genauigkeit der Bestände. Da die Komponenten zu einem Kit „verbraucht“ werden, wird sofort sichtbar, wenn ein kritisches Einzelteil zur Neige geht. Dies verhindert teure Produktionsstopps.
- Platzersparnis: An der Montagelinie oder am Packtisch wird deutlich weniger Fläche für die Lagerung von Einzelteilen benötigt. Der Platz kann für wertschöpfende Tätigkeiten oder eine schlankere Linienführung genutzt werden.
Der Kitting-Prozess in der Praxis: Schritt für Schritt
Ein typischer Kitting-Prozess in einem modernen Logistikzentrum läuft in klar definierten Schritten ab, die durch ein Lagerverwaltungssystem gesteuert werden:
- Auftragseingang: Das System generiert einen Kitting-Auftrag, basierend auf einer Kundenbestellung oder einem Produktionsplan.
- Kommissionierung der Komponenten: Ein Lagermitarbeiter sammelt die Einzelteile (Picks) gemäß der im LVS hinterlegten Stückliste des Kits.
- Zusammenstellung & Verpackung: An einem speziell eingerichteten Arbeitsplatz (Kitting-Station) werden die Komponenten auf Vollständigkeit geprüft und zum Kit zusammengefügt. Dies kann in einem Beutel, einem Karton oder einem speziellen Behälter (z.B. Kleinladungsträger, KLT) geschehen.
- Qualitätskontrolle: Ein entscheidender Schritt, bei dem das fertige Kit geprüft wird. Ist alles enthalten? Sind die richtigen Komponenten verbaut?
- Einlagerung oder Bereitstellung: Das fertige Kit wird entweder für den späteren Abruf eingelagert oder direkt an den Bestimmungsort (Produktion, Versand) transportiert.
Anforderungen an die Logistikimmobilie und die Halle
Kitting ist kein Prozess, der sich in jeder beliebigen Lagerhalle effizient umsetzen lässt. Er stellt spezifische Anforderungen an die Logistikimmobilie:
- Dedizierte Zonen: Es reicht nicht aus, nur Regalstellplätze zu haben. Für Kitting werden spezielle Value-Added-Service (VAS)-Flächen benötigt. Diese Bereiche müssen flexibel gestaltet sein und Platz für Arbeitstische, Verpackungsmaterial und Zwischenpuffer bieten.
- Ergonomie und Beleuchtung: Da hier manuelle, konzentrierte Arbeit stattfindet, sind gut beleuchtete Arbeitsplätze und ergonomische Abläufe entscheidend für Qualität und Mitarbeiterzufriedenheit.
- IT-Infrastruktur: Eine lückenlose WLAN-Abdeckung für mobile Datenerfassungsgeräte (MDE), Anschlüsse für Terminals, Drucker und eventuell Kameras zur Qualitätskontrolle sind unerlässlich.
- Optimale Lage: Die Kitting-Zone sollte strategisch so platziert sein, dass die Wege von den Entnahmestellen der Komponenten kurz und die Wege der fertigen Kits zur Produktion oder zum Warenausgang ebenfalls minimiert sind.
Eine reine Umschlagshalle eignet sich daher weniger. Eine moderne Kontraktlogistik-Immobilie ist darauf ausgelegt, solche wertschöpfenden Dienstleistungen nahtlos zu integrieren.
Kit-Bildung als Value-Added-Service in der Kontraktlogistik
Für viele Unternehmen ist die Auslagerung der Logistik an einen 3PL-Dienstleister (Third-Party Logistics) ein strategischer Schritt. Die Kit-Bildung ist hierbei ein klassischer Value-Added-Service (VAS). Der Kontraktlogistiker übernimmt nicht nur Lagerung und Transport, sondern integriert das Kitting tief in die Supply Chain des Kunden. Er stellt die Expertise, das Personal, die IT-Systeme und die passende Immobilie zur Verfügung. Dies ermöglicht dem Auftraggeber, sich auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren, während der Logistikpartner für eine hocheffiziente und flexible Materialversorgung sorgt.

Häufige Fragen und Antworten (FAQ) zur Kit-Bildung
Frage: Worin liegt der Unterschied zwischen Kitting und Assembly (Montage)?Antwort: Kitting ist der vorbereitende Schritt des Zusammenstellens loser Teile zu einem Set. Assembly ist der darauffolgende Schritt, bei dem diese Teile (oder andere) zu einem funktionierenden End- oder Teilprodukt zusammengebaut werden. Kitting liefert den perfekten Bausatz, Assembly baut ihn zusammen.
Frage: Ab wann lohnt sich die Einführung von Kitting-Prozessen?Antwort: Kitting lohnt sich besonders bei Produkten mit hoher Variantenvielfalt, komplexen Stücklisten oder bei wiederkehrenden Bestellungen identischer Artikelkombinationen. Wenn die Summe der einzelnen Pick-Zeiten und die Fehleranfälligkeit in der Produktion hoch sind, ist das Potenzial für Einsparungen durch Kitting meist enorm.
Frage: Was sind die größten Herausforderungen beim Kitting?Antwort: Die größten Hürden sind eine exakte Stammdatenpflege (Stücklisten), eine 100%ige Bestandssicherheit der Einzelkomponenten und die Gestaltung eines schlanken, fehlerfreien Prozesses am Kitting-Arbeitsplatz selbst. Ohne eine saubere Datengrundlage und disziplinierte Prozesse kann Kitting schnell ineffizient werden.



