
Ratgeber: K
Kommissionierfläche im Lager
Inhaltsverzeichnis
- Die Kommissionierfläche: Das strategische Zentrum moderner Logistikimmobilien
- Definition und Funktion: Wo Effizienz Gestalt annimmt
- Anforderungen an die Logistikimmobilie: Mehr als nur Betonboden
- Die Kommissionierfläche in der Kontraktlogistik: Flexibilität als Asset
- Kennzahlen und Planung: Den Erfolg messbar machen
- Automatisierung und Trends: Der Weg zur „Smart Area“
- Experten-Check: Häufige Fragen zur Kommissionierfläche (FAQ)
- Fazit für die Praxis
Die Kommissionierfläche: Das strategische Zentrum moderner Logistikimmobilien
In der Welt der Logistik ist die Kommissionierfläche der Ort, an dem aus abstrakten Lagerbeständen konkrete Kundenaufträge werden. Ob im E-Commerce, in der Produktionsversorgung oder im Ersatzteilwesen: Die Effizienz dieser Zone bestimmt maßgeblich die Durchlaufzeiten und die Fehlerquote eines Standorts. Für Betreiber von Logistikimmobilien und Kontraktlogistiker ist die Gestaltung dieser Fläche eine hochkomplexe Rechenaufgabe zwischen Ergonomie, Flächennutzung und Automatisierungsgrad.

Definition und Funktion: Wo Effizienz Gestalt annimmt
Die Kommissionierfläche (auch Pick-Zone genannt) ist der funktionale Teil eines Lagers, in dem Teilmengen aus bereitgestellten Sortimenten entnommen und zu einem Auftrag zusammengeführt werden. Im Gegensatz zur reinen Lagerfläche, auf der Paletten oft über Monate ruhen, herrscht hier hohe Dynamik.
In der Fachsprache der Lagerlogistik unterscheiden wir zwischen der statischen Bereitstellung (Mann-zur-Ware) und der dynamischen Bereitstellung (Ware-zum-Mann). Während bei der statischen Variante der Mitarbeiter die Lagerplätze anläuft, befördern automatisierte Systeme wie Shuttles oder AGVs (Autonomous Guided Vehicles) die Ware direkt zum Kommissionierplatz.
Anforderungen an die Logistikimmobilie: Mehr als nur Betonboden
Eine Logistikimmobilie muss heute flexibel genug sein, um verschiedenste Kommissionier-Szenarien abzubilden. Aus Sicht der Immobilienentwicklung stehen drei Faktoren im Vordergrund:
- Bodenbelastbarkeit: Kommissionierzonen mit Hochregalen oder automatischen Kleinteilelagern (AKL) benötigen eine extrem hohe Punktlastfähigkeit und Ebenheit (nach DIN 18202). In der Regel wird eine Bodenbelastbarkeit von 5 bis 7 Tonnen pro Quadratmeter angestrebt.
- Beleuchtung und Arbeitsklima: Da hier Menschen intensiv arbeiten, schreiben Arbeitsschutzrichtlinien oft eine Beleuchtungsstärke von mindestens 200 bis 300 Lux vor. Moderne Hallen setzen auf LED-Systeme mit Präsenzmeldern.
- Brandschutz: Kommissionierflächen gelten oft als Zonen mit erhöhter Brandlast (Verpackungsmaterial, Kartonagen). Sprinkleranlagen (ESFR-Sprinkler) müssen hier exakt auf die Regalhöhen abgestimmt sein.
Die Kommissionierfläche in der Kontraktlogistik: Flexibilität als Asset
In der Kontraktlogistik ist die Kommissionierfläche oft ein "atmendes System". Da Dienstleister oft Multi-User-Standorte betreiben, muss die Fläche schnell an neue Kundenanforderungen anpassbar sein.
Ein kritischer Faktor ist hier die Flächenproduktivität. Kontraktlogistiker kalkulieren oft mit der Pick-Leistung pro Quadratmeter. Ein Praxisbeispiel: Während in manuellen Fachbodenlagern ca. 60–80 Picks pro Stunde erreicht werden, können hochautomatisierte Pick-Stationen in der gleichen Zeit über 500 bis 1.000 Positionen verarbeiten. Dies reduziert den Flächenbedarf drastisch, erhöht aber die Investitionskosten (CAPEX) in die Immobilie.
Kennzahlen und Planung: Den Erfolg messbar machen
Um eine Kommissionierfläche zu bewerten, nutzt die Logistikplanung harte Fakten:
| Kennzahl | Bedeutung | Zielwert (Beispiel) |
| Pickdichte | Anzahl der Entnahmen pro m² | Abhängig von Sortimentstiefe |
| Wegzeitanteil | Anteil der Laufwege an der Gesamtzeit | < 50% (manuell) |
| Flächennutzungsgrad | Verhältnis von Nutzfläche zu Verkehrsfläche | > 80% |
| Fehlerquote | Anteil falsch kommissionierter Positionen | < 0,1% |
Eine fundierte Planung nutzt die ABC-Analyse, um Schnelldreher (A-Artikel) an den ergonomisch günstigsten Plätzen mit den kürzesten Wegen zu positionieren. B- und C-Artikel wandern in die Randzonen oder höhere Regalebenen.
Automatisierung und Trends: Der Weg zur „Smart Area“
Die Logistikimmobilie der Zukunft wird immer stärker durch Technik geprägt. Drei Trends dominieren derzeit die Gestaltung der Kommissionierflächen:
- Mezzanine-Ebenen: Um die Hallenhöhe (oft 12 Meter UKB) optimal zu nutzen, werden Kommissionierflächen in die Vertikale verlagert. Stahlbaubühnen verdoppeln oder verdreifachen die Pick-Fläche ohne zusätzliche Grundfläche.
- Cobots und Robotik: Mobile Roboter unterstützen Mitarbeiter beim Transport der Picks, was die körperliche Belastung senkt und die Wegezeiten minimiert.
- KI-gestützte Slotting-Optimierung: Algorithmen berechnen täglich neu, welcher Artikel an welchem Platz liegen sollte, basierend auf aktuellen Bestelldaten und Prognosen.

Experten-Check: Häufige Fragen zur Kommissionierfläche (FAQ)
Frage: Wie groß sollte die Kommissionierfläche im Verhältnis zum Gesamtlager sein?
Antwort: Das hängt stark vom Geschäftsmodell ab. Im klassischen Palettenlager nimmt sie oft nur 10–15 % ein. Im E-Commerce mit kleinteiliger Kommissionierung kann dieser Anteil auf über 50 % der Grundfläche steigen.
Frage: Welche Rolle spielt die Deckenhöhe für die Kommissionierung?
Antwort: Eine entscheidende. Für manuelle Kommissionierung sind Höhen über 2,50 Meter ohne Hilfsmittel nicht nutzbar. Bei automatisierten Systemen oder Bühnenkonstruktionen ist eine Hallenhöhe von 10 bis 12 Metern jedoch essenziell, um das Volumen wirtschaftlich zu nutzen.
Frage: Warum ist die Bodenqualität für moderne Pick-Zonen so kritisch?
Antwort: Fahrerlose Transportsysteme (FTS) und schmale Gänge in Hochregallagern verzeihen keine Bodenunebenheiten. Schon Millimeter-Abweichungen können bei großen Höhen zu gefährlichen Schwingungen der Masten oder Navigationsfehlern der Roboter führen.
Fazit für die Praxis
Die Planung einer Kommissionierfläche ist eine interdisziplinäre Aufgabe. Der Logistiker blickt auf die Prozesse, der Immobilienentwickler auf die baulichen Gegebenheiten und der Investor auf die Drittverwendungsfähigkeit. Eine exzellent geplante Kommissionierfläche ist heute kein statisches Gebilde mehr, sondern ein hochflexibles Modul, das sich den volatilen Märkten anpasst. Wer hier spart, zahlt später durch hohe Prozesskosten und langsame Lieferzeiten drauf.

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