
Ratgeber: L
LIFO-Prinzip im Lager
Inhaltsverzeichnis
- Das LIFO-Prinzip (Last-In, First-Out): Ein Leitfaden für die Lagerlogistik
- Grundlagen und Anwendungsbereiche des LIFO-Verfahrens
- Lagertechniken und Regalsysteme für die LIFO-Lagerung
- Vorteile der LIFO-Methode in der Praxis
- Nachteile und operative Herausforderungen
- Anforderungen an die Logistikimmobilie und die Halle
- Bilanzielle Auswirkungen des LIFO-Verfahrens
Das LIFO-Prinzip (Last-In, First-Out): Ein Leitfaden für die Lagerlogistik
Das LIFO-Prinzip ist eine weit verbreitete Methode zur Organisation und Bewertung von Lagerbeständen. Anders als beim FIFO-Prinzip (First-In, First-Out) wird hier die zuletzt eingelagerte Ware als erste wieder entnommen. Diese Vorgehensweise hat signifikante Auswirkungen auf die Gestaltung von Lagerprozessen und die Anforderungen an die baulichen Gegebenheiten einer Logistikhalle. Für Unternehmen ist das Verständnis der Vor- und Nachteile entscheidend, um die richtige Lagerstrategie für ihre spezifischen Produkte und Prozesse zu wählen.

Grundlagen und Anwendungsbereiche des LIFO-Verfahrens
Beim Last-In, First-Out-Verfahren werden Artikel, die zuletzt zum Lagerbestand hinzugefügt wurden, als erste für den Verkauf oder die Produktion entnommen. Man kann es sich wie einen Stapel Teller vorstellen: Der Teller, der zuletzt oben aufgelegt wurde, wird auch als erster wieder heruntergenommen.
Diese Methode eignet sich besonders gut für homogene Güter oder Schüttgüter, bei denen die einzelnen Chargen oder Lieferungen nicht unterscheidbar sind oder bei denen die Lagerdauer keine Rolle für die Produktqualität spielt. Typische Anwendungsbeispiele sind Baustoffe wie Sand, Kies oder Ziegel, aber auch bestimmte Arten von Kohle, Glas oder andere Rohstoffe. Für Produkte mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) oder solche, die schnell an Wert verlieren oder technisch veralten, ist das LIFO-Prinzip hingegen ungeeignet.
Lagertechniken und Regalsysteme für die LIFO-Lagerung
Die praktische Umsetzung von LIFO erfordert spezielle Lagertechniken, um einen effizienten Zugriff zu gewährleisten und gleichzeitig die Lagerfläche optimal zu nutzen. Da hierbei nur von einer Seite des Regals oder Stapels aus gearbeitet wird, spricht man von einer Kompaktlagerung. Gängige Systeme sind:
- Einfahrregale (Drive-In-Regale): Gabelstapler fahren direkt in die Regalkanäle, um Paletten hintereinander abzustellen. Die zuletzt hineingefahrene Palette wird als erste wieder entnommen. Dies ermöglicht eine extrem hohe Lagerdichte.
- Satellitenregale (Shuttle-Systeme): Hier übernimmt ein ferngesteuerter Satellit (Shuttle) das Ein- und Auslagern der Paletten innerhalb des Regalkanals. Der Stapler setzt das Shuttle nur am Kanalanfang ab, was die Effizienz und Sicherheit weiter erhöht.
- Blocklagerung: Die einfachste Form der LIFO-Lagerung, bei der Paletten oder Gitterboxen direkt auf dem Boden aufeinander und hintereinander gestapelt werden. Dies ist kostengünstig, erfordert aber eine hohe Stabilität der Ladeeinheiten.
Vorteile der LIFO-Methode in der Praxis
Der größte Vorteil des LIFO-Prinzips ist die herausragende Flächen- und Raumnutzung. Da keine Gänge zwischen den Regalen für den Zugriff von beiden Seiten benötigt werden, kann die Lagerkapazität einer Halle im Vergleich zu FIFO-Systemen (z. B. mit Palettenregalen) um bis zu 90 % erhöht werden. Dies führt direkt zu geringeren Kosten pro Lagerplatz und macht LIFO besonders attraktiv in Regionen mit hohen Immobilienpreisen. Zudem sind die Fahrwege für die Flurförderzeuge oft kürzer, was die Umschlagleistung verbessern kann.
Nachteile und operative Herausforderungen
Trotz der Effizienzvorteile birgt LIFO auch Nachteile. Der direkte Zugriff ist immer nur auf die zuletzt eingelagerte Einheit möglich. Muss auf eine ältere Charge zugegriffen werden, erfordert dies ein aufwendiges Umlagern des gesamten Kanalinhalts, was zeit- und kostenintensiv ist. Zudem besteht bei längerer Lagerung die Gefahr, dass die „unteren“ Bestände veralten, an Qualität verlieren oder beschädigt werden. Die exakte Chargenverfolgung ist erschwert, was in Branchen mit strengen regulatorischen Anforderungen (z. B. Pharmazie) ein Ausschlusskriterium sein kann.

Anforderungen an die Logistikimmobilie und die Halle
Eine Logistikimmobilie, die für LIFO-Prozesse genutzt werden soll, muss bestimmte Kriterien erfüllen. Die Bodenbeschaffenheit und -tragfähigkeit sind entscheidend, insbesondere bei der hochverdichteten Blocklagerung. Die Halle sollte über eine ausreichende Höhe verfügen, um vertikale Lagersysteme voll auszunutzen. Bei Einfahrregalen ist zudem eine gute und gleichmäßige Beleuchtung innerhalb der Regalkanäle wichtig für die Arbeitssicherheit. Die Anordnung der Tore (oftmals an nur einer Seite der Halle für Wareneingang und -ausgang) und die Gestaltung der Verkehrsflächen müssen auf die konzentrierten Umschlagprozesse abgestimmt sein.
Bilanzielle Auswirkungen des LIFO-Verfahrens
Aus buchhalterischer Sicht hat LIFO ebenfalls eine wichtige Funktion. Nach dem deutschen Handelsgesetzbuch (HGB) ist das LIFO-Verfahren als Bewertungsvereinfachungsverfahren zulässig. In Phasen steigender Preise (Inflation) führt die Anwendung von LIFO dazu, dass die zuletzt (und teuersten) eingekauften Waren als erste verbraucht werden. Dies resultiert in einem höheren ausgewiesenen Wareneinsatz und somit einem niedrigeren Gewinn und einer geringeren Steuerlast. Die im Lager verbleibenden, älteren und günstigeren Bestände führen zu einer stillen Reserve in der Bilanz. Nach den internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) ist das LIFO-Verfahren hingegen nicht zulässig, da es kein den tatsächlichen Verhältnissen entsprechendes Bild der Vermögenslage vermitteln soll.



