
Ratgeber: L
LOFO in der Lagerlogistik
Inhaltsverzeichnis
- LOFO (Lowest In – First Out) in der Logistik
- Was bedeutet LOFO? (Definition & Grundlagen)
- Der Materialfluss: Wie funktioniert LOFO in der Praxis?
- Lagerzinssatz und Kapitalbindung: Ein kostspieliger Effekt
- Kontraktlogistik: Herausforderungen für Logistikdienstleister
- Logistikimmobilie & Halle: Architektur für teure Langzeitbestände
- Zahlen, Daten, Fakten: Die Lagerprinzipien im Vergleich
- FAQ: Häufig gestellte Fragen (Q&A)
- Fazit: Theoretischer Nutzen vs. physische Realität
LOFO (Lowest In – First Out) in der Logistik
Das Bestandsmanagement ist das Herzstück jeder funktionierenden Supply Chain. Doch wie entscheidet man, welche Güter das Lager zuerst verlassen? Neben bekannten Konzepten wie FIFO (First In – First Out) existieren auch rein wertbasierte Bewertungsverfahren. Eines der spannendsten – und in der Praxis oft herausforderndsten – ist das LOFO-Verfahren.

Was bedeutet LOFO? (Definition & Grundlagen)
Das Akronym LOFO stammt aus der Lagerlogistik und der betriebswirtschaftlichen Kostenrechnung und steht für „Lowest In – First Out“ (Niedrigster rein – Zuerst raus). Bei diesem Verbrauchsfolgeverfahren verlassen diejenigen Güter das Lager zuerst, die den geringsten Anschaffungs- oder Herstellungspreis aufweisen.
Die Konsequenz: Die teuersten und wertvollsten Produkte bleiben am längsten im Bestand. Während zeitbasierte Prinzipien den physischen Materialfluss oder die Haltbarkeit regeln, ist LOFO ein rein monetäres Instrument. Es wird hauptsächlich für interne Analysen in der Kostenrechnung verwendet, um den Materialaufwand gering zu halten und den Restwert des Lagers bilanztechnisch hoch anzusetzen.
Der Materialfluss: Wie funktioniert LOFO in der Praxis?
In der Intralogistik spielt der tatsächliche Zeitpunkt der Einlagerung bei der LOFO-Strategie keine Rolle. Das Warehouse Management System (WMS) sortiert die Bestände im Regal ausschließlich nach ihrem Einkaufswert.
Ein Praxisbeispiel: Ein Unternehmen lagert im Laufe eines Jahres Aluminiumplatten ein. Charge A kostet 3,50 Euro pro Stück, Charge B aufgrund von Marktschwankungen 4,70 Euro und Charge C 4,00 Euro. Meldet die Produktion nun Materialbedarf an, navigiert das WMS den Kommissionierer gezielt zu den Platten der Charge A (3,50 Euro), da diese den niedrigsten Wert aufweisen. Die teure Charge B (4,70 Euro) bleibt unangetastet im Regal. Dies führt häufig zu langen und unproduktiven Wegezeiten, da nicht die Nähe zur Warenausgangszone, sondern der Preis die Auslagerung diktiert.
Lagerzinssatz und Kapitalbindung: Ein kostspieliger Effekt
Die Entscheidung für LOFO hat gravierende finanzielle Auswirkungen auf den gesamten Logistikstandort. Jeder Artikel, der in einer Logistikhalle liegt, bindet Kapital. Die durchschnittliche Lagerdauer ist der entscheidende Multiplikator, um die Opportunitätskosten dieses gebundenen Kapitals zu berechnen.
Mithilfe der Lagerdauer lässt sich der sogenannte Lagerzinssatz ermitteln. Da LOFO dafür sorgt, dass die teuersten Güter am längsten in der Halle verbleiben, treibt es die Kapitalbindung massiv in die Höhe. Das Lager wird unweigerlich zu einem teuren Langzeit-Depot. Die Zinskosten für das gebundene Kapital explodieren, weshalb dieses Verfahren meist nur bei strategischer Rohstoff-Bevorratung angewandt wird, wenn die Versorgungssicherheit Priorität vor der Liquidität hat.
Kontraktlogistik: Herausforderungen für Logistikdienstleister
Lagert ein Unternehmen seine Bestände an einen Dienstleister (3PL) in der Kontraktlogistik aus, stellt LOFO besondere operative Hürden auf. Kontraktlogistiker arbeiten auf Basis von Dynamik, hohem Durchsatz und schnellen Umschlagshäufigkeiten.
Wenn jedoch die teuersten Paletten als Langsamdreher (Slow Mover) über Monate oder Jahre unangetastet bleiben, blockieren sie wertvolle Stellplätze. Um die Prozesskosten zu senken, müssen Dienstleister diese Bestände in tiefere Zonen des Reservelagers verschieben. Abgerechnet wird in der Kontraktlogistik daher oftmals nach dem "Pay-per-Pallet"-Modell, sodass der Kunde für den blockierten (und real vorhandenen) Lagerbestand zahlt.
Logistikimmobilie & Halle: Architektur für teure Langzeitbestände
Da durch LOFO die teuersten Güter de facto am längsten in der Halle "überwintern", mutiert die Logistikimmobilie zu einem Wertgutlager. Dies diktiert spezifische Bau- und Sicherheitsanforderungen:
- Sicherheit & TAPA: Eine einfache Halle aus Trapezblech bietet keinen ausreichenden Schutz. Hochwertige, langfristige Bestände erfordern lückenlose Videoüberwachung und oft eine Zertifizierung nach TAPA FSR (Facility Security Requirements).
- Raum-im-Raum-Konzepte: Häufig werden innerhalb einer großen Gewerbehalle separate Wertgutlager oder Tresorräume aus massiven Stahlbetonwänden errichtet, um die teuren Bestände der LOFO-Strategie physisch zu schützen.
- Traglast und Volumen: Wenn teure Schwergüter dauerhaft eingelagert werden, ist ein Industrieboden mit einer Belastbarkeit von mindestens 50 kN/m² (ca. 5 Tonnen pro Quadratmeter) Pflicht. Der Standard für moderne Logistikhallen liegt heute zudem bei 10 bis 12 Metern Unterkante Binder (UKB), um das tote Kapital effizient in die Höhe zu stapeln.
Zahlen, Daten, Fakten: Die Lagerprinzipien im Vergleich
Um die Ausrichtung von LOFO richtig einzuordnen, hilft der Blick auf die logistischen Alternativen:
- FIFO (First In – First Out): Zeitbasiert. Zuerst gelieferte Ware geht zuerst raus. Standard bei Lebensmitteln zur Vermeidung von Verderb.
- LIFO (Last In – First Out): Zeitbasiert. Zuletzt gelagerte Ware wird zuerst entnommen (z. B. typisch bei Schüttgütern im Blocklager).
- HIFO (Highest In – First Out): Wertbasiert. Die teuerste Ware verlässt das Lager zuerst (das exakte Gegenteil von LOFO).
- LOFO (Lowest In – First Out): Wertbasiert. Die billigste Ware verlässt das Lager zuerst, was bilanzpolitisch den Restwert des Lagers maximiert.

FAQ: Häufig gestellte Fragen (Q&A)
Frage: Wann wird das LOFO-Verfahren in der Logistik angewendet?
Antwort: Unternehmen nutzen LOFO sehr selten für den tatsächlichen Materialfluss, sondern primär als theoretisches Modell in der internen Kosten- und Leistungsrechnung. Es dient dazu, den kalkulatorischen Materialaufwand künstlich niedrig zu halten und den Restwert des eigenen Lagers optisch aufzuwerten.
Frage: Ist LOFO für die gesetzliche Bilanzierung erlaubt?
Antwort: Nein. In Deutschland verstößt das LOFO-Verfahren gegen das geltende Handels- und Steuerrecht, da es das strikte Niederstwertprinzip verletzt. Für die offizielle Bilanz sind lediglich FIFO, LIFO und Durchschnittsbewertungen zulässig.
Frage: Welche Nachteile hat LOFO für die Intralogistik?
Antwort: Das Prinzip sorgt für unnötig viele physische Umlagerungen und lange Wegezeiten. Das WMS muss bei jedem Pick-Vorgang den aktuellen Preis analysieren. Zudem steigt das Risiko der Überalterung, da hochpreisige Waren fast nie ausgelagert werden.
Fazit: Theoretischer Nutzen vs. physische Realität
Das Lowest In – First Out Prinzip (LOFO) ist ein theoretisch faszinierendes betriebswirtschaftliches Konstrukt, das jedoch in der harten Praxis der Lagerlogistik oft als Renditekiller entlarvt wird. Wer systematisch die günstigsten Waren zuerst auslagert, hortet unweigerlich extrem teures Kapital in seiner Logistikimmobilie. Dies treibt die internen Zinskosten für das Unternehmen in die Höhe und erfordert gleichzeitig massive Vorabinvestitionen (CAPEX) in modernste Sicherheitstechnik und Tresorräume. Während LOFO in der internen Kostenkalkulation Nischenvorteile bieten mag, setzen zukunftsorientierte Kontraktlogistiker auf der operativen Fläche weiterhin auf hochdynamische, zeitbasierte Konzepte wie FIFO, um Durchlaufzeiten kurz und die Hallenauslastung profitabel zu halten.

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