
Ratgeber: B
Batch-Picking im Lager
Inhaltsverzeichnis
- Batch-Picking: Der Effizienz-Turbo für die moderne Lagerlogistik
- Was ist Batch-Picking? Eine Definition aus Expertensicht
- Die Mechanik des Prozesses: Einstufig vs. Zweistufig
- Warum Batch-Picking? Zahlen, Daten und Fakten zur Effizienz
- Anforderungen an die Logistikimmobilie: Mehr als nur eine Halle
- Batch-Picking in der Kontraktlogistik: Flexibilität als Wettbewerbsvorteil
- Fragen und Antworten (Q&A) für die Praxis
- Die Rolle der Automatisierung: Sorter und Roboter
- Fazit: Ein Muss für das Nischensegment der Hochleistungslogistik
Batch-Picking: Der Effizienz-Turbo für die moderne Lagerlogistik
In der Welt der Intralogistik ist Zeit die härteste Währung. Während herkömmliche Verfahren oft an ihre Grenzen stoßen, hat sich das Batch-Picking (auch als Sammelkommissionierung bekannt) als Goldstandard für Lagerbetreiber etabliert, die hohe Durchsatzraten bei gleichzeitig geringen Fehlerquoten anstreben. Doch was verbirgt sich genau hinter diesem Begriff, und welche baulichen Anforderungen stellt das Verfahren an eine Logistikimmobilie?

Was ist Batch-Picking? Eine Definition aus Expertensicht
Batch-Picking beschreibt ein Verfahren der Kommissionierung, bei dem ein Mitarbeiter nicht eine einzelne Bestellung nach der anderen abarbeitet (Single-Order-Picking), sondern Teile für mehrere Aufträge gleichzeitig entnimmt. Diese Aufträge werden zu einer Gruppe – dem sogenannten „Batch“ – zusammengefasst.
Der entscheidende Unterschied zu anderen Methoden: Die Entnahme erfolgt artikelrein. Wenn fünf Kunden jeweils dasselbe Produkt bestellt haben, geht der Kommissionierer nur einmal zum Lagerplatz und entnimmt alle fünf Einheiten auf einmal.
Die Mechanik des Prozesses: Einstufig vs. Zweistufig
Das Batch-Picking ist eng mit der mehrstufigen Kommissionierung verknüpft. In der Praxis unterscheidet man meist zwei Abläufe:
- Pick-and-Sort (Zweistufig): Der Kommissionierer sammelt alle Artikel des Batches in einen großen Behälter. Erst in einem zweiten Schritt (der Konsolidierung) werden die Artikel am Packplatz oder über einen Sorter den Einzelaufträgen zugeordnet.
- Pick-and-Pack (Einstufig/Cluster): Hier führt der Mitarbeiter einen Wagen mit mehreren Boxen mit sich. Die Artikel werden direkt bei der Entnahme in die richtige Kundenbox abgelegt.
Warum Batch-Picking? Zahlen, Daten und Fakten zur Effizienz
Die Wegzeit macht in einem manuellen Lager oft bis zu 50 % bis 70 % der gesamten Kommissionierzeit aus. Batch-Picking setzt genau hier an. Durch die Bündelung von Aufträgen können die Wegzeiten pro Pick massiv gesenkt werden.
- Leistungssteigerung: Erhöhung der Picks pro Stunde um durchschnittlich 30 % bis 50 % im Vergleich zum Einzelauftrags-Picking.
- Wegstreckenverkürzung: Reduktion der Fahr- oder Gehwege um bis zu 60 %, abhängig von der Batch-Größe und der Artikelstruktur.
- Skalierbarkeit: Besonders effektiv bei einer hohen Anzahl von Small-Units (Kleinteilen) und einer geringen Anzahl von Positionen pro Auftrag (typisch für B2C-E-Commerce).
Anforderungen an die Logistikimmobilie: Mehr als nur eine Halle
Damit Batch-Picking sein volles Potenzial entfalten kann, muss die Logistikimmobilie bestimmte infrastrukturelle Voraussetzungen erfüllen. Eine Standardhalle stößt hier schnell an Grenzen.
- Gangbreiten und Layout: Für das manuelle Batch-Picking mit Kommissionierwagen sind optimierte Gangbreiten notwendig, um Begegnungsverkehr ohne Zeitverlust zu ermöglichen.
- Bodenbeschaffenheit: Da beim Batch-Picking oft schwere Sammelwagen oder elektrische Niederhubwagen zum Einsatz kommen, ist eine hohe Ebenheitstoleranz des Bodens (nach DIN 18202) essenziell.
- IT-Infrastruktur & WLAN: Batch-Picking funktioniert nur mit einem leistungsfähigen Lagerverwaltungssystem (LVS). Die Halle muss flächendeckend mit performantem WLAN ausgestattet sein, um Pick-by-Voice, Pick-by-Light oder mobile Datenerfassung (MDE) ohne Latenzen zu unterstützen.
- Konsolidierungsflächen: Da das zweistufige Batch-Picking einen Sortierprozess nachlagert, benötigt die Immobilie ausreichend Pufferflächen und Platz für Sortieranlagen (Sorter) oder Put-Walls.
Batch-Picking in der Kontraktlogistik: Flexibilität als Wettbewerbsvorteil
Für Kontraktlogistiker (3PL) ist Batch-Picking ein strategisches Instrument, um schwankende Auftragsvolumina abzufedern. In Verträgen mit strengen Service Level Agreements (SLAs) und späten Cut-off-Zeiten ermöglicht die Batch-Bildung eine enorme Verdichtung der Arbeit in Peak-Zeiten (z.B. Black Friday).
Hier spielt die Mandantenfähigkeit des LVS eine Rolle: Ein Batch kann theoretisch auftragsübergreifend über verschiedene Mandanten gebildet werden, sofern die Ware in derselben Zone gelagert wird – ein enormer Hebel für die Rentabilität der Fläche.
Fragen und Antworten (Q&A) für die Praxis
Frage: Ab welcher Auftragsstruktur lohnt sich Batch-Picking?
Antwort: Es lohnt sich besonders bei einer hohen Übereinstimmung der Artikel in den Aufträgen (High-Runner) und bei Sendungen mit nur 1–3 Positionen (Single-Item-Orders).
Frage: Wo liegen die Risiken?
Antwort: Das Hauptrisiko ist die Fehlpicks-Quote beim Sortieren. Wird im zweistufigen Verfahren falsch zugeordnet, betrifft der Fehler oft mehrere Kunden gleichzeitig. Ein Scan-Vorgang an der Put-Wall ist daher zwingend erforderlich.
Frage: Welche Rolle spielt die künstliche Intelligenz (KI)?
Antwort: Moderne LVS nutzen KI-Algorithmen, um Batches in Echtzeit so zu bilden, dass die Wegstrecken mathematisch minimiert werden (Traveling Salesman Problem). Dabei werden auch Prioritäten wie Express-Versand berücksichtigt.

Die Rolle der Automatisierung: Sorter und Roboter
In hochmodernen Logistikzentren wird das Batch-Picking zunehmend automatisiert. Automatische Kleinteilelager (AKL) oder AutoStore-Systeme bringen die Ware zum Mann (Goods-to-Person). Der „Batch“ wird hier systemseitig gebildet, und der Mitarbeiter am Port kommissioniert direkt in eine Batch-Struktur.
In großen Hallen kommen zudem Sorter-Systeme zum Einsatz. Diese übernehmen die komplette zweite Stufe des Batch-Pickings: Die gesammelten Artikel werden auf ein Förderband aufgegeben und automatisch in die jeweiligen Kunden-Versandkartons geschleust. Dies ermöglicht Durchsatzzahlen von mehreren tausend Teilen pro Stunde.
Fazit: Ein Muss für das Nischensegment der Hochleistungslogistik
Batch-Picking ist weit mehr als eine einfache Arbeitsanweisung; es ist ein hochkomplexes Zusammenspiel aus Softwareintelligenz, prozesstechnischem Know-how und der passenden physischen Infrastruktur der Logistikimmobilie. Wer die Potenziale der Wegeoptimierung ausschöpft und seine Halle entsprechend ausrüstet, senkt nicht nur seine Prozesskosten, sondern schafft die notwendige Skalierbarkeit für den Markt von morgen.
Für Betreiber und Eigentümer von Logistikimmobilien bedeutet dies: Die Flexibilität der Fläche für moderne Kommissionierstrategien wie Batch-Picking ist heute ein entscheidendes Kriterium für die Drittverwendungsfähigkeit und den langfristigen Wert einer Immobilie.

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