
Ratgeber: B
Bimodaler Verkehr in der Logistik
Inhaltsverzeichnis
- Was genau versteht man unter bimodalem Verkehr?
- Welche strategische Bedeutung hat der bimodale Verkehr für die Logistik?
- Bimodale Verkehre aus der Sicht der Lager- und Kontraktlogistik
- Der Einfluss auf Logistikimmobilien: Mehr als nur vier Wände und ein Dach
- Zahlen, Daten, Fakten: Die wirtschaftliche Relevanz
- Herausforderungen und Ausblick in die Praxis
Was genau versteht man unter bimodalem Verkehr?
Bimodaler Verkehr, oft synonym mit dem Begriff kombinierter Verkehr (KV) verwendet, bezeichnet eine Transportkette, bei der Güter in ein und derselben Ladeeinheit (z.B. Container, Wechselbrücke oder Sattelauflieger) mit zwei unterschiedlichen Verkehrsträgern befördert werden, ohne dass die Güter selbst umgeschlagen werden müssen. Der Hauptlauf der Strecke wird dabei meistens per Schiene oder Schiff zurückgelegt, während der Vor- und Nachlauf – also die erste und letzte Meile – flexibel per LKW erfolgt. Das Kernprinzip ist die Bündelung von Transporten auf der Langstrecke, um die Effizienz zu steigern und die Umweltbelastung zu reduzieren.

Welche strategische Bedeutung hat der bimodale Verkehr für die Logistik?
In einer von globalen Lieferketten, steigendem Kostendruck und wachsendem Umweltbewusstsein geprägten Wirtschaftswelt ist der bimodale Verkehr mehr als nur eine Alternative – er ist eine strategische Notwendigkeit. Er adressiert zentrale Herausforderungen der modernen Logistik:
- Verkehrsentlastung: Die Verlagerung von Gütern von der Straße auf Schiene oder Wasserstraße reduziert Staus und entlastet die hochfrequentierten Autobahnen.
- Nachhaltigkeit: Schienen- und Schiffsverkehre weisen pro Tonnenkilometer einen deutlich geringeren CO₂-Ausstoß auf als der LKW. Unternehmen können so ihre Klimaziele besser erreichen und ihre CSR-Bilanz (Corporate Social Responsibility) verbessern.
- Kosteneffizienz: Trotz höherer Fixkosten beim Umschlag können auf langen Distanzen signifikante Kosteneinsparungen im Vergleich zum reinen Straßentransport realisiert werden.
- Zuverlässigkeit: Schienen- und Binnenschifffahrtsverkehre sind weniger anfällig für Staus, Wochenend- oder Nachtfahrverbote, was zu einer höheren Planungs- und Terminsicherheit führt.
Bimodale Verkehre aus der Sicht der Lager- und Kontraktlogistik
Für Akteure der Lager- und Kontraktlogistik ist die Integration bimodaler Konzepte ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Ein Logistikdienstleister, der in der Lage ist, seinen Kunden effiziente und nachhaltige bimodale Lieferketten anzubieten, positioniert sich als zukunftsfähiger Partner.
Frage: Wie verändert der bimodale Verkehr die Anforderungen an einen Kontraktlogistiker?
Antwort: Ein Kontraktlogistiker muss über das reine Lagern und Kommissionieren hinausdenken. Er wird zum Manager komplexer Transportketten. Das erfordert Know-how in der Koordination verschiedener Verkehrsträger, im Management der Schnittstellen (Terminals) und in der Nutzung entsprechender IT-Systeme zur Sendungsverfolgung über die gesamte Kette hinweg. Zudem muss er seine Prozesse auf die Taktung von Zügen oder Schiffen abstimmen, was eine präzisere Zeitfenstersteuerung erfordert.
Der Einfluss auf Logistikimmobilien: Mehr als nur vier Wände und ein Dach
Die Entscheidung für oder gegen einen Logistikstandort wird maßgeblich von seiner Verkehrsanbindung bestimmt. Eine bimodale Anbindung ist dabei ein wertsteigerndes Asset, das eine Immobilie zukunftssicher macht.
Frage: Welche spezifischen Merkmale muss eine Logistikhalle für den bimodalen Verkehr aufweisen?
Antwort: Eine rein autobahnnahe Lage reicht nicht mehr aus. Ideale Logistikimmobilien für den bimodalen Verkehr zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:
- Lagegunst: Die unmittelbare Nähe zu einem KV-Terminal (Schiene) oder einem Binnenhafen ist das entscheidende Kriterium. Standorte, die zusätzlich noch eine gute Straßenanbindung bieten, werden als trimodal bezeichnet und sind besonders begehrt.
- Grundstückslayout: Es werden größere Rangier- und Abstellflächen für LKW benötigt, um die An- und Auslieferung der Ladeeinheiten effizient zu takten. Flächen für die temporäre Zwischenlagerung von Containern oder Wechselbrücken sind ebenfalls essenziell.
- Infrastruktur: Ein direkter Gleisanschluss auf dem eigenen Grundstück ist die Premiumlösung. Er ermöglicht den Umschlag direkt an der Halle und minimiert den LKW-Einsatz auf ein absolutes Minimum.
- Gebäudekonzeption: Die Anzahl der Tore und deren Anordnung muss auf einen schnellen Umschlag ausgelegt sein. Die Statik des Hallenbodens und die lichte Höhe müssen für den Umgang mit schweren Ladeeinheiten geeignet sein.
Zahlen, Daten, Fakten: Die wirtschaftliche Relevanz
Die Bedeutung des kombinierten Verkehrs in Deutschland ist signifikant und wächst stetig. Laut dem Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2023 rund 100 Millionen Tonnen Güter im kombinierten Verkehr transportiert. Der Schienengüterverkehr hat hierbei den Löwenanteil. Eine Studie des Internationalen Eisenbahnverbands (UIC) zeigt, dass der Schienengüterverkehr im Vergleich zum Straßengüterverkehr pro Tonnenkilometer bis zu neunmal weniger CO₂ emittiert. Diese Zahlen verdeutlichen das enorme ökologische und ökonomische Potenzial, das in der Verlagerung von Verkehren liegt.

Herausforderungen und Ausblick in die Praxis
Trotz der unbestreitbaren Vorteile gibt es in der Praxis noch Hürden. Die "letzte Meile" vom Terminal zum Lager bleibt eine Herausforderung, insbesondere bei knappen LKW-Kapazitäten und Fahrermangel. Die Harmonisierung von IT-Systemen zwischen den verschiedenen Akteuren (Spediteur, Terminalbetreiber, Eisenbahnverkehrsunternehmen) ist oft komplex und entscheidend für einen reibungslosen Informationsfluss.
Die Zukunft liegt jedoch klar im Ausbau und der Optimierung dieser Systeme. Investitionen in die digitale Infrastruktur der Terminals, die Automatisierung von Umschlagprozessen und der Ausbau des Schienennetzes werden die Effizienz weiter steigern. Für die Logistikimmobilienbranche bedeutet dies, dass Objekte ohne bimodale Anbindung langfristig an Attraktivität verlieren könnten.



