
AutoStore im Lager
Inhaltsverzeichnis
Was ist AutoStore? Eine Definition
AutoStore ist ein sogenanntes „Goods-to-Person“-System (Ware-zur-Person), das in den 1990er Jahren in Norwegen entwickelt wurde. Im Kern besteht es aus drei Hauptkomponenten:
- Das Grid: Eine selbsttragende Aluminium-Struktur, die den gesamten Lagerbereich ausfüllt. Sie dient als Schienennetz für die Roboter und als Rahmen für die Lagerbehälter.
- Die Bins (Behälter): Standardisierte Kunststoffbehälter, die im Grid direkt aufeinander und nebeneinander gestapelt werden. In ihnen befindet sich die Ware. Es gibt keine Regale und keine Gänge, was die extrem hohe Lagerdichte ermöglicht.
- Die Roboter: Autonome, batteriebetriebene Roboter, die auf der obersten Ebene des Grids fahren. Sie heben, sortieren und transportieren die Bins zu den Arbeitsstationen.
- Die Ports (Arbeitsstationen): Die Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine. Hier werden die von den Robotern angelieferten Bins dem Mitarbeiter zur Kommissionierung (Entnahme) oder Einlagerung (Befüllung) präsentiert.
Das System arbeitet nach dem Prinzip des „organisierten Chaos“. Die Software merkt sich die Position jedes einzelnen Artikels und sorgt durch permanente Umschichtungen dafür, dass häufig benötigte Artikel (A-Artikel) automatisch weiter oben im Grid gelagert werden, um die Zugriffszeiten zu minimieren.

Die Funktionsweise im Detail: Wie Roboter das Lager dominieren
Der Prozess in einem AutoStore-Lager ist hochgradig effizient. Geht ein Auftrag im Lagerverwaltungssystem (LVS) ein, wird er an die AutoStore-Software übermittelt. Diese lokalisiert den benötigten Bin im Grid.
Ein oder mehrere Roboter fahren zur entsprechenden X-Y-Koordinate. Ist der Ziel-Bin von anderen Bins verdeckt, heben die Roboter die darüber liegenden Behälter an und platzieren sie auf nahegelegenen freien Stapeln. Dieser Vorgang wird als „Digging“ (Graben) bezeichnet. Sobald der Ziel-Bin freigelegt ist, wird er vom Roboter aufgenommen und zum designierten Port transportiert.
Am Port entnimmt der Mitarbeiter die geforderte Menge des Artikels und quittiert den Vorgang. Der Roboter bringt den Bin anschließend zurück ins Grid und lagert ihn wieder ein. Währenddessen ist bereits der nächste Roboter mit dem nächsten Bin auf dem Weg zum Port, sodass ein kontinuierlicher Warenfluss ohne Wartezeiten für den Mitarbeiter entsteht. Die Roboter laden sich bei Bedarf selbstständig an Ladestationen am Rande des Grids auf.
Kernvorteile für die Lagerlogistik
Ein AutoStore-System bietet gegenüber traditionellen Lagermethoden, wie z.B. Fachbodenregalen, entscheidende Vorteile:
- Maximale Raumausnutzung: Durch den Wegfall von Gängen und die Stapelung der Bins kann auf derselben Grundfläche bis zu viermal mehr Ware gelagert werden. Das System kann die gesamte Hallenhöhe bis unter das Dach ausnutzen. Dies reduziert den Flächenbedarf um bis zu 75 %.
- Hohe Performance und Skalierbarkeit: Die Leistung des Systems lässt sich flexibel anpassen. Bei steigendem Bedarf können einfach weitere Roboter hinzugefügt werden, um den Durchsatz zu erhöhen. Ebenso kann das Grid bei laufendem Betrieb erweitert werden, um die Lagerkapazität zu vergrößern.
- Energieeffizienz: Die Roboter verbrauchen sehr wenig Energie. Zehn AutoStore-Roboter benötigen zusammen etwa so viel Energie wie ein handelsüblicher Staubsauger.
- Fehlerreduktion: Durch das Ware-zur-Person-Prinzip und scannergestützte Prozesse an den Ports wird die Fehlerquote bei der Kommissionierung auf nahezu null gesenkt.
AutoStore in der Kontraktlogistik: Der Schlüssel zur Flexibilität
Für Kontraktlogistikdienstleister (3PL) ist AutoStore besonders attraktiv. Die Fähigkeit, auf einem System mehrere Mandanten mit unterschiedlichsten Artikelspektren und Auftragsvolumina abzuwickeln, ist ein enormer Wettbewerbsvorteil. Saisonale Spitzen, wie das Weihnachtsgeschäft oder Black Friday, können durch das temporäre Hinzumieten von Robotern („Robot-as-a-Service“) ohne große Investitionen bewältigt werden.
Die hohe Dichte ermöglicht es dem 3PL, seinen Kunden Lagerkapazität auf kleinerer, kostengünstigerer Fläche anzubieten. Zudem können an den Ports Value-Added-Services wie Qualitätskontrollen, Retourenbearbeitung oder spezielle Verpackungen effizient integriert werden.

Anforderungen an die Logistikimmobilie und die Halle
Die Implementierung eines AutoStore-Systems stellt spezifische Anforderungen an die Logistikimmobilie, ist aber gleichzeitig flexibler als viele andere Automatisierungslösungen:
- Bodenplatte: Die wichtigste Anforderung ist eine hohe Punktlasttragfähigkeit des Hallenbodens. Die Füße des Grids leiten das gesamte Gewicht (Struktur, Bins, Ware) auf kleine Punkte ab. Eine Standard-Bodenplatte für Gabelstaplerverkehr reicht oft nicht aus; eine genaue statische Prüfung ist unerlässlich. Eine hohe Ebenheit des Bodens gemäß DIN 18202 ist ebenfalls kritisch.
- Hallenhöhe: Eine lichte Höhe von mindestens 6 Metern ist empfehlenswert, um das Potenzial des Systems auszuschöpfen. Da das Grid aber in der Höhe flexibel ist, kann es auch in Bestandsimmobilien mit geringerer Deckenhöhe („Brownfield“-Ansatz) integriert werden.
- Stützenraster: Ein großer Vorteil ist, dass das Grid um bestehende Hallenstützen herumgebaut werden kann. Dies macht AutoStore extrem anpassungsfähig für bestehende Gebäude.
- Infrastruktur: Es wird eine zuverlässige Stromversorgung für die Roboter-Ladestationen und eine stabile IT-Infrastruktur (Netzwerkkabel, WLAN) benötigt.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu AutoStore
Frage: Was passiert, wenn ein Roboter ausfällt?
Antwort: Das System ist redundant aufgebaut. Die anderen Roboter arbeiten einfach um das stillstehende Gerät herum. Der ausgefallene Roboter kann während des laufenden Betriebs von oben aus dem Grid gehoben und gewartet werden, ohne dass das Gesamtsystem angehalten werden muss.
Frage: Für welche Güter eignet sich AutoStore nicht?
Antwort: Das System ist für kleinteilige, bin-fähige Ware konzipiert. Es eignet sich nicht für Paletten, sperrige Güter oder sehr schwere Einzelartikel. Die maximale Zuladung pro Bin liegt je nach Typ bei etwa 30 kg.
Frage: Wie hoch ist die Investition und wann amortisiert sie sich?
Antwort: Die Investitionskosten sind signifikant und hängen stark von der Größe des Grids, der Anzahl der Bins und Roboter sowie der Anzahl der Ports ab. Projekte beginnen oft im siebenstelligen Bereich. Der Return on Investment (ROI) wird typischerweise durch massive Einsparungen bei den Personalkosten und vor allem bei den Miet- oder Baukosten für die Lagerfläche erzielt und liegt oft bei 3 bis 5 Jahren.



