
Ratgeber: D
Durchsatzleistung in der Lagerlogistik
Inhaltsverzeichnis
Was versteht man unter Durchsatzleistung?
Frage: Was genau misst die Durchsatzleistung?
Antwort: Die Durchsatzleistung, oft auch einfach als Durchsatz bezeichnet, ist eine fundamentale Kennzahl, die die Menge an Einheiten (z. B. Pakete, Paletten, Teile, Daten) misst, die ein System oder ein Prozess innerhalb eines bestimmten Zeitraums verarbeiten oder bewegen kann. Sie ist ein direkter Indikator für die Kapazität und Effizienz eines Systems. Die Formel zur Berechnung lautet:
Ein hoher Durchsatz signalisiert eine hohe Leistungsfähigkeit, während ein niedriger Durchsatz auf Engpässe, sogenannte Bottlenecks, oder ineffiziente Prozesse hindeutet. Das primäre Ziel in der Logistik ist es, den Durchsatz zu maximieren, ohne dabei die Qualität der Prozesse, wie z. B. die Kommissioniergenauigkeit, zu beeinträchtigen und die Kosten unverhältnismäßig zu steigern.

Die Relevanz in der Lagerlogistik
Frage: Warum ist der Durchsatz im Lager so entscheidend?
Antwort: In der Lagerlogistik ist die Durchsatzleistung die zentrale Kennzahl zur Bewertung der Performance. Sie bestimmt, wie schnell Waren vereinnahmt, eingelagert, kommissioniert und für den Versand vorbereitet werden können. Ein Lager mit hohem Durchsatz kann mehr Aufträge in kürzerer Zeit abwickeln, was direkt die Kundenzufriedenheit und die Rentabilität beeinflusst.
Man unterscheidet hierbei verschiedene Bereiche:
- Wareneingang: Die Anzahl der Paletten oder Artikel, die pro Stunde entladen, geprüft und ins System gebucht werden.
- Einlagerung: Die Geschwindigkeit, mit der die Waren vom Wareneingang auf ihre designierten Lagerplätze gebracht werden.
- Kommissionierung: Die Anzahl der Picks (Entnahmen) oder Auftragszeilen, die ein Mitarbeiter oder ein automatisiertes System pro Stunde schafft. Dies ist oft der kritischste und kostenintensivste Bereich.
- Warenausgang: Das Volumen an versandfertig gemachten und verladenen Sendungen pro Tag.
Moderne Lager streben eine Durchsatzsteigerung durch Automatisierung an. So können beispielsweise Fahrerlose Transportsysteme (FTS) den Warentransport beschleunigen und den Durchsatz im Vergleich zu manuellen Prozessen um 20-30 % erhöhen.
Durchsatz in der Kontraktlogistik
Frage: Welche Besonderheiten ergeben sich für die Durchsatzleistung in der Kontraktlogistik?
Antwort: Die Kontraktlogistik geht über reine Lager- und Transportdienstleistungen hinaus und umfasst komplexe, individualisierte Logistiklösungen für einen Kunden, oft über einen längeren Vertragszeitraum. Hier wird die Durchsatzleistung zu einem vertraglich vereinbarten Service Level Agreement (SLA).
Die Herausforderung besteht darin, dass die Anforderungen des Kunden stark schwanken können (saisonale Peaks, Aktionen). Ein Kontraktlogistiker muss daher in der Lage sein, seine Ressourcen – Personal, Technik und Fläche – flexibel zu skalieren, um den vereinbarten Durchsatz jederzeit zu gewährleisten. Ein Nichterreichen kann zu Vertragsstrafen führen. Die Planung der Durchsatzkapazität ist hier also nicht nur eine operative, sondern auch eine strategische und vertragliche Verpflichtung. Ein Beispiel ist die E-Commerce-Abwicklung, bei der an einem normalen Tag vielleicht 5.000 Pakete versendet werden, im Weihnachtsgeschäft aber bis zu 25.000 Pakete pro Tag bewältigt werden müssen.
Die Rolle der Logistikimmobilie
Frage: Wie beeinflusst die Immobilie selbst den möglichen Durchsatz?
Antwort: Die Logistikimmobilie oder die Halle ist das physische Fundament für die Durchsatzleistung. Ihre Konzeption und Ausstattung bestimmen die maximal mögliche Effizienz. Folgende Faktoren sind entscheidend:
- Layout und Flächeneffizienz: Ein intelligentes Layout mit kurzen Wegen, klaren Prozessen und optimaler Flächennutzung ist essenziell. Schlechte Planung führt zu Staus und Engpässen.
- Anzahl und Art der Tore: Die Anzahl der Rampentore (für LKW) und ihre Ausstattung (z. B. mit hydraulischen Überladebrücken) limitieren den Durchsatz im Wareneingang und -ausgang. Ein Verhältnis von einem Tor pro 800–1.000 m² Lagerfläche gilt als guter Richtwert.
- Hallenhöhe: Höhere Hallen (heute oft 12 m Unterkante Binder oder mehr) ermöglichen eine höhere Lagerdichte durch Hochregale und somit mehr potenzielle Umschlagpunkte auf derselben Grundfläche.
- Bodenbeschaffenheit: Ein hochbelastbarer und extrem ebener Boden ist die Voraussetzung für den Einsatz moderner, schneller Flurförderzeuge und Automatisierungstechnik. Unebenheiten erzwingen langsamere Fahrgeschwindigkeiten und reduzieren den Durchsatz.
Eine Immobilie, die nicht auf die spezifischen Durchsatzanforderungen des Nutzers ausgelegt ist, wird immer ein limitierender Faktor bleiben.

Methoden zur Steigerung der Durchsatzleistung
Frage: Welche konkreten Maßnahmen gibt es, um den Durchsatz zu erhöhen?
Antwort: Die Optimierung des Durchsatzes ist ein kontinuierlicher Prozess. Bewährte Ansätze sind:
- Prozessanalyse und -optimierung: Identifikation von Engpässen (Bottlenecks) durch Methoden wie die Wertstromanalyse. Oft sind es kleine administrative Hürden oder schlecht organisierte Übergaben, die den Fluss bremsen.
- Automatisierung und Technologie: Einsatz von Fördertechnik, automatischen Kleinteilelagern (AKL), Sorter-Anlagen oder Robotern (z. B. für die Kommissionierung). Ein Sorter kann den Durchsatz im Warenausgang von wenigen hundert auf über 10.000 Einheiten pro Stunde steigern.
- Mitarbeiterschulung und -motivation: Gut geschulte und motivierte Mitarbeiter arbeiten effizienter und sorgfältiger. Leistungsabhängige Anreizsysteme können den Durchsatz zusätzlich fördern.
- Datenanalyse und Software: Der Einsatz eines modernen Lagerverwaltungssystems (LVS) ist unerlässlich. Es optimiert die Einlagerungsstrategie (z. B. ABC-Analyse), die Wegeführung bei der Kommissionierung und sorgt für eine transparente Steuerung aller Prozesse in Echtzeit.
Fazit: Durchsatz als Nervensystem der Logistik
Die Durchsatzleistung ist weit mehr als nur eine abstrakte Kennzahl. Sie ist der Pulsschlag der operativen Logistik und ein entscheidender Faktor für die Wirtschaftlichkeit. Von der physischen Beschaffenheit der Logistikimmobilie über die strategische Planung in der Kontraktlogistik bis hin zur operativen Exzellenz im Lager – alle Bereiche müssen optimal ineinandergreifen, um einen maximalen und gleichzeitig flexiblen Durchsatz zu gewährleisten und so den Anforderungen des modernen Marktes gerecht zu werden.



