
Ratgeber: D
DGNB in der Logistik
Inhaltsverzeichnis
- Was genau ist die DGNB-Zertifizierung?
- Warum ist Nachhaltigkeit speziell bei Logistikimmobilien so entscheidend?
- Fragen & Antworten: DGNB in der Logistikpraxis
- Der ökonomische Mehrwert: Lebenszykluskosten im Fokus
- Soziokulturelle Aspekte: Der Mensch im Mittelpunkt der Lagerlogistik
- Technische Qualität und Prozessqualität: Die Basis für Langlebigkeit
- Standortqualität: Mehr als nur die Autobahnanbindung
- Fazit: DGNB als strategisches Instrument in der Logistik
Was genau ist die DGNB-Zertifizierung?
Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) hat ein ganzheitliches Zertifizierungssystem entwickelt, das die Nachhaltigkeit von Bauwerken umfassend bewertet. Anders als andere Systeme, die sich oft stark auf ökologische Aspekte konzentrieren, verfolgt die DGNB einen Drei-Säulen-Ansatz, der Ökologie, Ökonomie und soziokulturelle Aspekte gleichgewichtet betrachtet. Das Ziel ist es, den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes – von der Planung über den Bau und die Nutzung bis hin zum Rückbau – nachhaltig zu gestalten. Die Bewertung erfolgt anhand eines detaillierten Kriterienkatalogs, der in verschiedene Themenfelder unterteilt ist und am Ende zu einer Auszeichnung in Platin, Gold, Silber oder Bronze führen kann.

Warum ist Nachhaltigkeit speziell bei Logistikimmobilien so entscheidend?
Logistikimmobilien sind per Definition ressourcenintensiv. Sie zeichnen sich durch immense Flächenversiegelung, große umbaute Volumen mit hohem Energiebedarf für Heizung, Kühlung und Beleuchtung sowie ein hohes Verkehrsaufkommen aus. Gleichzeitig sind sie das Rückgrat der Wirtschaft und ein zentraler Arbeitsort für viele Menschen. Eine nachhaltige Bauweise nach DGNB-Standards adressiert diese Herausforderungen direkt: Sie senkt die Betriebskosten, verbessert die Arbeitsbedingungen, minimiert den ökologischen Fußabdruck und steigert nicht zuletzt den Immobilienwert. In Zeiten steigender Energiekosten und strengerer ESG-Anforderungen (Environment, Social, Governance) wird die DGNB-Zertifizierung somit vom "Nice-to-have" zum knallharten Wettbewerbsvorteil.
Fragen & Antworten: DGNB in der Logistikpraxis
Frage: Was wird bei einer Logistikimmobilie konkret bewertet?
Antwort: Die DGNB nutzt spezifische Nutzungsprofile, z. B. für Logistikgebäude. Bewertet werden unter anderem die Energieeffizienz der Halle (Heizung, LED-Beleuchtung), die Qualität der Gebäudehülle, der Einsatz von schadstoffarmen und recycelbaren Materialien, die Flexibilität des Gebäudes für zukünftige Nutzungen, der Komfort für die Mitarbeiter (Tageslicht, Luftqualität, Lärmschutz) und die optimierten Lebenszykluskosten statt reiner Baukosten.
Frage: Lohnt sich der Aufwand auch für kleinere Logistikunternehmen?
Antwort: Ja. Zwar ist der Zertifizierungsprozess mit Kosten verbunden, doch die Einsparungen bei den Betriebskosten (z.B. durch geringeren Energieverbrauch) amortisieren diese oft schon nach wenigen Jahren. Zudem fordern immer mehr große Auftraggeber (Verlader) von ihren Logistikpartnern (Kontraktlogistik) den Nachweis von Nachhaltigkeitsbemühungen – eine Zertifizierung kann hier zum entscheidenden Kriterium bei der Auftragsvergabe werden.
Frage: Kann man auch eine bestehende Halle zertifizieren lassen?
Antwort: Ja, die DGNB bietet auch ein System für "Gebäude im Betrieb" an. Hierbei wird der Fokus auf die Optimierung des laufenden Betriebs gelegt. Dies ermöglicht es auch Eigentümern und Nutzern von Bestandsimmobilien, ihre Nachhaltigkeitsperformance zu messen, zu verbessern und nach außen sichtbar zu machen.
Der ökonomische Mehrwert: Lebenszykluskosten im Fokus
Ein zentraler und oft unterschätzter Aspekt der DGNB-Zertifizierung ist die Betrachtung der Lebenszykluskosten (LCC). Traditionell liegt der Fokus bei Bauprojekten auf den reinen Errichtungskosten. Die DGNB verlangt jedoch eine ganzheitliche Berechnung, die auch die Folgekosten über einen Zeitraum von 50 Jahren miteinbezieht. Dazu gehören:
- Betriebs- und Energiekosten: Heizung, Kühlung, Beleuchtung, Wasser.
- Instandhaltung und Reinigung: Kosten für Wartung, Reparaturen und Austausch von Bauteilen.
- Rückbau- und Entsorgungskosten: Wert von Materialien am Ende des Lebenszyklus.
Praxis-Fakt: Eine Investition in eine hochwertigere Dämmung oder eine effizientere Anlagentechnik mag die Baukosten leicht erhöhen, kann aber über die Nutzungsdauer Einsparungen bei den Energiekosten von bis zu 40 % bewirken. Dies führt zu einer höheren Wirtschaftlichkeit, stabileren Cashflows und einem besseren Rating bei Banken und Investoren.
Soziokulturelle Aspekte: Der Mensch im Mittelpunkt der Lagerlogistik
Eine moderne Logistikhalle ist mehr als nur ein Umschlagplatz für Waren; sie ist ein Arbeitsplatz. Die DGNB legt großen Wert auf die soziokulturelle und funktionale Qualität. Für die Lager- und Kontraktlogistik bedeutet das konkret:
- Visueller Komfort: Maximale Nutzung von Tageslicht durch Oberlichter und Fensterfronten reduziert den Bedarf an künstlicher Beleuchtung und steigert nachweislich das Wohlbefinden und die Produktivität der Mitarbeiter.
- Thermischer Komfort: Eine gut gedämmte Gebäudehülle und eine smarte Klimatechnik sorgen für angenehme Temperaturen im Sommer wie im Winter.
- Innenraumluftqualität: Der Einsatz von emissionsarmen Baustoffen (z.B. lösemittelfreie Bodenbeschichtungen) schützt die Gesundheit der Belegschaft.
- Barrierefreiheit: Nicht nur in den Sozial- und Bürotrakten, sondern auch in den operativen Bereichen.
Technische Qualität und Prozessqualität: Die Basis für Langlebigkeit
Die technische Qualität sichert die langfristige Performance der Immobilie. Hier geht es um die Qualität der Gebäudehülle, die Effizienz der technischen Anlagen (z.B. Sprinkleranlagen, Heizsysteme) und die Reinigungs- und Instandhaltungsfreundlichkeit der Konstruktion. Die Prozessqualität wiederum sichert die Qualität der Planung und des Baus selbst. Eine integrale Planung, bei der von Anfang an alle Stakeholder – vom Architekten bis zum späteren Nutzer – an einem Tisch sitzen, ist entscheidend, um ein Gebäude zu schaffen, das exakt auf die Bedürfnisse der logistischen Prozesse zugeschnitten ist.

Standortqualität: Mehr als nur die Autobahnanbindung
Natürlich ist die Anbindung an übergeordnete Verkehrsnetze für eine Logistikimmobilie essenziell. Die DGNB bewertet den Standort jedoch deutlich umfassender. Punkte, die hier einfließen, sind:
- Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr: Wichtig für die Erreichbarkeit für Mitarbeiter ohne eigenen PKW.
- Infrastruktur am Standort: Gibt es in der Nähe Einkaufsmöglichkeiten oder gastronomische Angebote für die Mitarbeiter?
- Risiken am Standort: Werden Naturrisiken wie Hochwasser oder Starkregenereignisse berücksichtigt?
- Auswirkungen auf die Umgebung: Maßnahmen zur Reduzierung von Lärm- und Lichtemissionen.
Fazit: DGNB als strategisches Instrument in der Logistik
Die DGNB-Zertifizierung ist für die Logistikbranche ein strategisches Werkzeug, um Immobilien zukunftssicher, wirtschaftlich und attraktiv zu gestalten. Sie liefert den objektiven Nachweis für eine hohe Bau- und Betriebsqualität und adressiert die zentralen ESG-Anforderungen von Investoren, Kunden und dem Gesetzgeber. Ein zertifiziertes Gebäude ist nicht nur ökologisch verantwortungsvoll, sondern vor allem ökonomisch intelligent und sozial wertvoll – ein echter Mehrwert für Eigentümer, Nutzer und Mitarbeiter gleichermaßen.



