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LAGERflaeche.de Magazin Mai 2015 - Thema: Sprachanwendungen mit viel Potenzial

Vocollect Solutions von Honeywell ist ein globaler Anbieter für das professionelle sprachgestützte Arbeiten in Industrie und Logistik. Bekannt wurde das Unternehmen durch Pick-by-Voice-Lösungen mit dem Mobilcomputer Talkman. Nach der Übernahme der Vocollect-Muttergesellschaft Intermec durch Honeywell ist Vocollect Teil dieses weltweit agierenden Technologiekonzerns. Nachfolgend finden Sie ein Interview zwischen Hans-Martin Piazza (Chefredakteur FM DAS LOGISTIK-MAGAZIN) und Dirk Becker (49), der als Business-Development-Manager seit über sechs Jahren das deutschsprachige Zentraleuropa sowie Osteuropa für Vocollect Solutions bei Honeywell Scanning & Mobility betreut.


Piazza:
Vocollect hatte sich nach der Übernahme durch Intermec ein gerütteltes Maß an Eigenständigkeit bewahrt. Wie positioniert sich Vocollect nun, nach der Übernahme von Intermec durch Honeywell?

Becker: Die Integration von Vocollect ist bereits weit fortgeschritten. Wir treten heute am Markt als Honeywell Vocollect Solutions auf und sind – unter dem Namen Vocollect Voice Solutions – eine Produktsparte von Honeywell Scanning & Mobility. Honeywell deckt technologisch die ganze AutoID-Bandbreite ab. Damit finden wir ein sehr gutes Entree beim Kunden. Unsere Lösungen zur Spracherkennung sind komplementär zu jenen der anderen Produktbereiche. Sie unterscheiden sich jedoch deutlich von Produkten, wie Etikettendruckern, Fahrzeugcomputern, RFID oder Terminals zur Erfassung von 1D- oder 2D-Codes.

Vocollect Solutions, Kommissionieren, Headset und Mobilcomputer Talkman

Beim sprachgestützten Kommissionieren mit Headset und Mobilcomputer Talkman sind beide Hände frei zum Zupacken.

Wir müssen uns als Honeywell Vocollect Solutions noch intensiver als die anderen Kollegen von Honeywell AIDC mit den Prozessen bei den Kunden auseinandersetzen, um diese optimieren zu können. Des Weiteren ist unsere Software für uns von überragender Bedeutung; auch dieser Aspekt unterscheidet uns von den anderen Honeywell-Produktsparten.
 
Piazza: Was gab es da in technologischer Hinsicht an Weiterentwicklungen bei Vocollect, beispielsweise dem Talkman?

Becker: Neben dem Denken in Prozessen ist unser Schwerpunkt die Weiterentwicklung unserer Spracherkennungssoftware. Sie ist bereits seit einigen Jahren auch auf anderen Handheldcomputern lauffähig und wird als Lizenzprodukt verkauft. Wir können den modularen Mobilcomputer Talkman mit zusätzlichen Hardwarekomponenten aus der Honeywell Gruppe ausstatten, beispielsweise mit Ring- oder Fingerscannern. Doch grundsätzlich nutzen unsere privilegierten Vertriebspartner in der Kundenansprache Argumente, wie die Prozessqualität und die Produktivität, die bei unseren Lösungen sehr hoch sind. Ein weiteres Ziel: Wir wollen, dass die Anwender selbst mit unseren Sprachlösungen zufrieden sind und auch Neulinge ohne großen Trainings- und Schulungsaufwand mit ihrer Arbeit rasch beginnen können. Deshalb stellen auch Headsets einen weiteren Schwerpunkt unserer Entwicklung dar, denn die Ergonomie und damit auch die Akzeptanz bedeuten uns viel. Dass natürlich auch der Talkmann in Bezug auf Rechenleistung, Schnittstellen und Akkutechnik ständig weiterentwickelt wird, halte ich fast für selbstverständlich. Darüber hinaus haben wir mit der Vocollect-Akademie ein Schulungszentrum eingerichtet, in dem sich sowohl unsere zertifizierten Vertriebspartner, über die wir unsere Sprachlösungen exklusiv im Markt platzieren, als auch die Endkunden in praktischen Schulungen immer auf den neuesten Stand bringen können.

Piazza: Der Name Pick-by-Voice ist schon seit langem im Logistikmarkt eingeführt. Doch Ihre Lösungen eignen sich sicherlich auch für andere Tätigkeiten als lediglich das Kommissionieren.

Becker: Da liegen Sie richtig. Das Kommissionieren stellt nur einen kleinen Teil der sprachgestützten Tätigkeiten dar, die wir bei Vocollect‚ voice-directed work‘ nennen. Der Wareneingang und auch die Inventur werden bereits sehr häufig mit Hilfe unserer sprachgestützten Lösungen durchgeführt. Wir haben sogar Kunden, die sämtliche Arbeitsschritte zwischen Wareneinund -ausgang mit ‚Voice‘ bewältigen und steuern. Das bedeutet nicht, dass keine zusätzlichen Geräte, wie beispielsweise Ringscanner, die mit dem Talkman verbunden sind, oder ein Staplerterminal mit unserer Spracherkennungssoftware und einem Scanner parallel oder komplementär zu unserer Voice-Lösung genutzt werden. Wie schon gesagt, wir können bei HSM ein komplettes Programm mit sämtlichen Technologien der Auto-ID anbieten.

Pick-by-Voice, Logistikmarkt, Kommissionieren, Kontraktlogistik, Intralogistik

Ergänzend zur Sprachanwendung lassen sich auch andere Technologien einsetzen

Ich sehe übrigens in der Multichannellogistik ein interessantes Applikationsfeld, bei dem sowohl sehr kleine Mengen für den Onlineversand, als auch Behälter und Paletten für Filialbetriebe oder Großkunden aus einem einzigen Logistikzentrum versendet werden. Über ‚Voice‘ lassen sich sowohl Kleinstmengen als auch Großgebinde gleichermaßen gut verarbeiten. Ein ganz neues Tätigkeitsfeld des sprachgestützten Arbeitens ist die Produktionslogistik und -steuerung. Ich entwerfe ein Szenario, das die Richtung klarmacht, in die es gehen wird: Ein Mitarbeiter am Band mitHeadset erhält die Anweisung ‚Nimm den roten Draht und verknüpfe ihn mit dem grünen Draht‘. Hier besteht für die nächsten Jahre ein außerordentlich großes Potenzial für Voice-Anwendungen.

Piazza: Bei Ihrer Voicelösung werden, etwas vereinfacht dargestellt, die Arbeitsaufträge aus dem Lagerverwaltungssystem per WLAN an den Mobilcomputer Talkman gesandt und dort in Sprachanweisungen umgesetzt.

Becker: So ist es. Unser Ziel heißt Transparenz der Prozesse, und diese wird durch ein WarehouseManagement-System geschaffen. Wir bieten den Lieferanten von Warehouse-Management-Systemen, ERP- oder Materialflusssteuerungssystemen, die die Prozesshoheit innehaben, sämtliche Integrationstools an, um eine reibungslose bidirektionale Kommunikation zwischen den übergeordneten Systemen und den Talkman-Geräten zu gewährleisten. Diese Systemanbieter bedienen sich unserer Softwarebausteine und integrieren diese in ihre Gesamtlösung – in der Regel das Warehouse-ManagementSystem. Sie sind die entscheidenden Ansprechpartner für unsere Vertriebspartner. Die Sprachengine wandelt, wie von Ihnen beschrieben, Textinformationen in Sprachbefehle um. Die Vollzugsmeldung wird in das Mikrofon gesprochen. Diese Rückmeldung wird umgehend vom Mobilcomputer in Text umgewandelt und an das WMS kommuniziert, wo dieser Vorgang verbucht wird. Unsere Software gibt es mittlerweile in 37 Sprachen.

Piazza: Es werden also nur sehr kleine Informationspakete über das WLAN verschickt.

Becker: Das kann bei Installationen mit einigen hundert Anwendern durchaus ein Vorteil sein. Kommunikations- und Geschwindigkeitsprobleme kann es aufgrund großer Datenmengen nicht geben.

Piazza: Nicht wenige Anwender betreiben ihre Logistikzentren direkt unter einem SAP-Logistikmodul, beispielsweise EWM. Stellt das für Vocollect ein Problem dar?

Becker: SAP stellt innerhalb ihres Systems Möglichkeiten zur Integration für andere Anbieter zur Verfügung, auf die wir aufsetzen. Wir bieten mit ‚Voice Direct SAP‘ eine von SAP zertifizierte Schnittstelle, die sich innerhalb des SAP-Systems implementieren lässt. Ob WM oder EWM – wir haben bereits sehr viele SAP-Installationen erfolgreich abgeschlossen.

Piazza: Welche Branchen zählen zu Ihren Zielgruppen? Im Handel waren Sie doch immer stark vertreten.

Becker: Sicherlich gehört der Handel zu unseren stärksten Zielgruppen, und er soll es auch bleiben. Doch zählen mittlerweile Unternehmen aus vielen weiteren Wirtschaftszweigen zu unseren Kunden: Beispielsweise in der Fashion- und in der Konsumgüterbranche, in der Pharma-, Chemie- und Automobilindustrie konnten wir Fuß fassen. Im Rahmen unserer Aktivitäten ‚maintainance and inspection‘ forcieren wir Anwendungen in der Qualitätssicherung von Motoren und Turbinen in der Produktion und Wartung. Wir konnten hier gute Erfolge erzielen.  

Vocollect, voice-directed work, Inventur, WarehouseManagement-System

Die Arbeitsanweisungen gelangen vom WMS über den Talkman auf das Headset

Piazza: Der Handel und die Industrie unterscheiden sich in ihren Anforderungen nicht unwesentlich.

Becker: Der Bedarf bei diesen Kundenzielgruppen differiert in der Tat sehr stark. Während im Handel der Durchsatz das wichtigste Kriterium darstellt, kommt es bei der Wartung von Flugzeugturbinen auf die hundertprozentige Sicherheit und Genauigkeit an. Auch die Dokumentationspflichten sind sehr erheblich. Wir unterstützen den Mechaniker nicht nur bei der Inspektion selbst, sondern sorgen mit unserem Voicesystem auch für die exakte Dokumentation aller Arbeitsschritte.

Piazza: Was halten Sie von Datenbrillen?

Becker: Auch wir beschäftigen uns mit diesem Thema. Ich glaube, die Funktionalitäten einer Datenbrille werden durch unsere Lösungen für die Logistik sehr viel leistungsfähiger und vor allem ergonomischer abgedeckt. Ich sehe für Datenbrillen nicht so sehr in der Logistik, als vielmehr im mobilen technischen Außendienst durchaus Einsatzmöglichkeiten. Warum nicht beispielsweise den Telekom-Mitarbeiter für Arbeiten am Verteilerkasten mit einer Datenbrille ausstatten? Möglich wären vielleicht auch Anwendungen bei der Vereinnahmung von Waren oder bei der Qualitätssicherung – als komplementäre Technologie, zusätzlich zu den bereits vorhandenen technischen Möglichkeiten. Anspruchsvollen professionellen Einsätzen unter ständigen Hochleistungsanforderungen im Lager ist die Datenbrille bei Akkulaufzeiten von einer Stunde jedoch bei Weitem nicht gewachsen. Sie ist auch nicht robust genug.

 

Dirk Becker DACH von Honeywell Scanning & Mobility, Vocollect Solutions


Kontakt
Dirk Becker
Business-Development-Manager
DACH von Honeywell Scanning &
Mobility, Vocollect Solutions
www.vocollect.de
www.honeywellaidc.com/de-DE
Quelle: FM DAS LOGISTIKMAGAZIN 3/2015

Quelle: FM DAS LOGISTIKMAGAZIN 3/2015