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VCÖ lobt umweltfreundliche Mobilität

VCÖ lobt umweltfreundliche Mobilität

25.02.16 (Österreich, Verkehrspolitik) Autor:Stefan Hennigfeld

Die Unterschiede im Mobilitätsverhalten der Bevölkerung sind in Österreichs Landeshauptstädten sehr groß, wie eine jüngst präsentierte VCÖ-Publikation zeigt. Allen gemeinsam ist ein sinkender Motorisierungsgrad.  Erstmals ist dieser im Vorjahr in allen Landeshauptstädten zurückgegangen. Wien und Graz waren vor rund zehn Jahren die ersten Städte mit sinkendem Motorisierungsgrad.

Im Jahr 2013 nahm auch in Innsbruck, Linz und Klagenfurt die Zahl der Autos pro tausend Einwohner ab und im Vorjahr das erste Mal auch in Eisenstadt. Nach wie vor sei aber der Platzverbrauch des städtischen Verkehrs zu hoch. Zudem pendeln mehr als 650.000 Beschäftigte in die Städte zur Arbeit, Großteils mit dem Auto. Das Verlagerungspotenzial ist groß. Nötig sind in allen Landeshauptstädte auch verstärkte Maßnahmen für einen klimafreundlichen Gütertransport, betont der VCÖ.

„Damit die wachsenden Städte ihre Verkehrs- und Umweltziele erreichen, muss der urbane Verkehr der Zukunft sauber, klimafreundlich und auch platzsparend sein“, fasst VCÖ-Experte Markus Gansterer ein zentrales Ergebnis der VCÖ-Publikation „Urbaner Verkehr der Zukunft“ zusammen. Beim Flächenverbrauch der Verkehrsmittel ist bezogen auf die Transportkapazität der Unterschied sehr groß. Am wenigsten Platz verbrauchen Fußgängerinnen und Fußgänger, gefolgt vom Öffentlichen Verkehr und dem Fahrrad.

Den mit Abstand höchsten Flächenverbrauch weist der Autoverkehr auf. Im Landeshauptstadt-Vergleich sind die Wiener im Alltag am umweltfreundlichsten mobil. 73 Prozent ihrer Alltagswege legen sie mit Öffis, zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück. Silber geht an Innsbruck mit 70 Prozent umweltfreundlicher Mobilität, Bronze an Bregenz mit 60 Prozent. Auch in Salzburg, Graz und Linz wird von der Bevölkerung weniger als die Hälfte der Alltagswege mit dem Auto gefahren.

Am höchsten ist der Autoanteil in Eisenstadt mit 70 Prozent, gefolgt von Klagenfurt mit 66 Prozent. Um die Mobilität in den stark wachsenden Städten bewältigen zu können, ist in Österreichs Landeshauptstädten ein verstärkter Ausbau des öffentlichen Verkehrs nötig, so der VCD In Klagenfurt hat das ÖV-Gesamtsystem derzeit nur einen Anteil von sechs Prozent, in Eisenstadt überhaupt nur von zwei Prozent. In Graz werden zwanzig Prozent der Alltagswege mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt. Wien ist mit 39 Prozent Spitzenreiter, in der Bundeshauptstadt ist vor allem in den Flächenbezirken das Angebot auszubauen.

Wien ist zudem die einzige Stadt Österreichs, wo es mehr Jahresnetzkarten für den öffentlichen Verkehr als Autos gibt. „Neben einem guten öffentlichen Verkehrsangebot sollte es zudem in jeder Landeshauptstadt ein gutes Carsharing Angebot und Leihrad-System geben“, weist Gansterer auf ein weiteres Manko hin. Die Bedeutung von Gehen und Radfahren wird unterschätzt. Die Innsbrucker legen 48 Prozent ihrer Wege zu Fuß oder mit dem Rad zurück und selbst bei den Schlusslichtern St. Pölten, Eisenstadt und Klagenfurt werden mehr als ein Viertel der Ziele zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreicht

 Wien, Innsbruck und Bregenz sind jene drei Hauptstädte, wo mehr Wege zu Fuß und mit dem Rad zurückgelegt werden als mit dem Auto. Gansterer: „Die städtische Verkehrsplanung muss stärker als bisher die Fußgängerinnen und Fußgänger berücksichtigen.“ Österreichs Landeshauptstädte sind aufgrund der großen Anzahl an Arbeitsplätzen auch Einpendelzentren. Rund 650.000 Beschäftigte pendeln in die Landeshauptstädte zur Arbeit, davon mehr als 265.000 nach Wien. Der Großteil kommt mit dem Auto in die Städte. So fahren nach Linz 74 Prozent von außerhalb mit dem Auto zur Arbeit.

Nach Wien gibt es je nach Region Unterschiede: Aus dem Einzugsgebiet Gänserndorf fahren 38 Prozent mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Wien und 62 Prozent mit dem Auto, aus dem Einzugsgebiet St. Pölten fahren 42 Prozent öffentlich nach Wien. Der VCÖ fordert daher den verstärkten Ausbau der S-Bahnen.

Überall, wo das S-Bahnangebot verbessert wurde, ist die Zahl der Fahrten stark gestiegen, etwa in der Steiermark von 9,8 Millionen im Jahr 2007 auf 16,6 Millionen im Jahr 2014 oder in Tirol von 9,4 auf 15,0 Millionen. Ein großes Potenzial haben zudem auch Radschnellwege, insbesondere in Kombination mit Elektro-Fahrrädern. Während international immer mehr Stadtregionen ein Radschnellnetz errichten, hat in Österreich lediglich der Ballungsraum Linz einen konkreten Plan, neun Radschnellwege aus dem Umland in die Stadt zu bauen.

 

 

Stefan Hennigfeld

Redaktioneller Leiter

Zughalt e.V.

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